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       in der Klosterstadt Waldsassen

Die Geschichte der Klosterstadt Waldsassen

Markgraf Diepold

Um das Jahr 1133 gründete Markgraf Diepold III. das Kloster Waldsassen, holte Zisterziensermönche aus Volkenrode und stattete es mit Besitzungen aus. König Konrad III. sicherte 1147 dem Kloster seinen Schutz zu. Seitdem galt es als reichsunmittelbar. Rasch gewann das Kloster Waldsassen an Bedeutung und Macht. Es erwarb sich größte Verdienste um die Kolonisierung und Aufwärtsentwicklung eines weiten Landstriches im Nordgau, der bis nach Böhmen hinein reichte.

Die umwälzenden Ereignisse der Reformation erschütterten das Stift Waldsassen in seinem Bestand und führten schließlich zum Erlöschen des klösterlichen Lebens (1560/1571), als die Kurpfalz die Herrschaft über das Kloster erlangte.

Nachdem die Oberpfalz und damit auch das stiftische Territorium 1628 an Bayern überging, kamen auf Veranlassung von Kurfürst Ferdinand Maria 1661/1669 Zisterzienser aus Fürstenfeld (jetzt Fürstenfeldbruck) nach Waldsassen. 1690 wurde das Kloster selbstständige Abtei. Für Waldsassen und das klosterzugehörige Land begann eine Blütezeit, in der die alten Klostergebäude abgebrochenund unter Mitwirkung bedeutender Baumeister und Künstler glanzvoll wiedererrichtet wurden. Viele andere Bauten erstanden. Die Säkularisation im Jahre 1803 brachte dem Wirken des Klosters ein jähes Ende.

Erst 1864 konnte der Zisterzienserorden einen Teil des früheren Klosterbesitzes zurückkaufen, allerdings ohne die Kirche, die die Katholische  Pfarrgemeinde übernommen hatte. Das Zisterzienserinnen-Kloster steht seit 1925 unter Leitung einer Äbtissin. Es betätigt sich besonders bei der schulischen Ausbildung der Jugend.

Durch die Niederlassung von Tuchmachern ab 1614 und die nachfolgende Errichtung einer größeren Zahl von Häusern auf planerisch festgelegten Bauplätzen neben dem Gebäudekomplex der ehemaligen Abtei, begann der Aufbau einer bürgerlichen Siedlung Waldsassen. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, der spätere „Winterkönig“, hatte dazu 1617 seine Erlaubnis erteilt. Die Ereignisse des 30jährigen Krieges verursachten Rückschläge. Einen Aufschwung für den Ort brachte die ab 1682 mit dem Neubau des Klosters und der Kirche – nach Gründung des II. Klosters, 1669 – verbundene Zuwanderung von Bauleuten und Künstlern, von denen sich mancher in Waldsassen niederließ und eine Familie gründete.

1693 erhielt Waldsassen das Marktrecht. 1865 erfolgte der Anschluß an das Eisenbahnnetz, der in der Folge die wirtschaftliche Struktur des Ortes durch Industrieansiedlungen verbesserte. In Großbränden um 1870/71 und 1880 wurden die alten Bürgerhäuser bis auf wenige Reste zerstört. Beim Wiederaufbau auf den Mauerbeständen blieb aber die ursprüngliche räumliche Anordnung der Häuser und der Straßenzüge im wesentlichen als Altstadt erhalten. 1896 erhielt Waldsassen das Recht, sich „Stadt“ zu nennen.

Der heute gebräuchliche Name „Klosterstadt“ erinnert an die enge Verbindung der Stadt zur Gründung und den wechselvollen Geschicken des Zisterzienserklosters Waldsassen über Jahrhunderte hinweg. Auch die Bezeichnung „Stiftland“ für Teilgebiete des Landkreises Tirschenreuth wird von der früheren Zugehörigkeit dieses Gebietes zum einstigen Klosterterritorium Waldsassen abgeleitet.

Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Abteischloß ist der einzige in seiner wesentlichen Substanz erhalten gebliebene mittelalterliche Bau Waldsassens. Beim Wiederaufbau erhielt das Dach eine andere Form. Aus dem Frühbarock um 1680 stammt eine schöne Eisentür. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden imposante Stuckdecken sowie unter anderm ein kunstvoll gearbeitetes Schmiedeeisengitter eingebaut.

Das Abteischloß übernahm 1803 der Staat. Es diente dann dem Landgericht als Amtssitz und dem späteren Amtsgericht Waldsassen, bis zu dessen Verlegung im Jahre 1973. Seit der umfassenden, denkmalgerechten Restaurierung (1976/1977) gehört es zum zweiten Dienstgebäude des Finanzamtes Waldsassen.

Nach 1945 erfährt Waldsassen einen Zustrom zahlreicher Heimatvertriebener aus dem Osten und deren Eingliederung. In der Gemeindegebietsreform von 1972 kommen Kondrau, Münchenreuth und Querenbach zu Waldsassen hinzu. 1990 wird der einstige Grenzübergang Waldsassen/Eger wieder eröffnet und ermöglicht wieder unbeschwertes Reisen zum tschechischen Nachbarn und den zahlreichen Sehenswürdigkeiten, z. B. Franzensbad, Marienbad, Karlsbad, Eger sowie Prag oder das Kloster Tepl, die Burgen Ellbogen und Seeberg.

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